Wann kann ein Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) problematisch sein?

Von Jay Arora, IHK-geprüfter Versicherungsmakler (§ 34d GewO)

Veröffentlicht am 13. August 2026 · Zuletzt aktualisiert am 8. Oktober 2026

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) kann für sechs Gruppen von Menschen zum Problem werden. Die PKV hat echte Vorteile: niedrigere Beiträge in jungen Jahren, schnellere Arzttermine und im Durchschnitt mehr Leistungen als die GKV. Für diese sechs Profile können sich die Kosten jedoch vervielfachen oder bei sinkendem Einkommen hoch bleiben – und die Entscheidung lässt sich kaum rückgängig machen, weil der Weg zurück in die GKV sehr schwierig ist. Falls Ihnen die beiden Systeme noch nicht vertraut sind, finden Sie auf unserer Website einen Überblick zur PKV und zur GKV. Das sind die sechs Profile:

Die Kurzantwort

  1. Ein Elternteil arbeitet, ein Elternteil bleibt zu Hause, mit Kindern: In der GKV sind der nicht erwerbstätige Partner und die Kinder beitragsfrei mitversichert; in der PKV braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag.
  2. Menschen mit Vorerkrankungen: PKV-Anbieter können Sie ablehnen, die Erkrankung vom Versicherungsschutz ausschließen oder einen Risikozuschlag von 5 bis 30 % erheben.
  3. Längere Elternzeit oder Auszeit vom Beruf: Die GKV-Beiträge sinken auf den Mindestbeitrag (2026 rund 278 € im Monat inklusive Pflegeversicherung), während der volle PKV-Beitrag weiterläuft und der Arbeitgeberanteil wegfällt.
  4. Selbstständige mit schwankendem Einkommen: Die GKV-Beiträge sinken mit Ihrem Einkommen; die PKV-Beiträge bleiben gleich, auch wenn Ihr Einkommen einbricht.
  5. Später Ersteintritt in die PKV: Je später Sie eintreten, desto weniger Zeit bleibt für den Aufbau von Alterungsrückstellungen – Sie zahlen also mehr als eine gleichaltrige Person, die früher eingetreten ist.
  6. Menschen mit voraussichtlich geringer Rente: Die GKV-Beiträge sinken mit Ihrer Rente; in der PKV bleibt der Beitrag gleich, und der Arbeitgeberanteil wird nur durch einen kleineren Zuschuss der Rentenversicherung ersetzt.

1. Ein Elternteil arbeitet, ein Elternteil bleibt zu Hause, mit Kindern

Ist der erwerbstätige Elternteil in der GKV, sind Partner und Kinder über die Familienversicherung beitragsfrei mitversichert; in der PKV braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag

Ist der erwerbstätige Elternteil in der GKV versichert, sind der zu Hause bleibende Partner und die Kinder über die beitragsfreie Familienversicherung mitversichert. Ist der erwerbstätige Elternteil dagegen privat versichert, brauchen Partner und Kinder jeweils einen eigenen PKV-Vertrag. Ein einziger GKV-Beitrag ist mit hoher Wahrscheinlichkeit günstiger als drei PKV-Verträge – oder mehr, je nach Anzahl der Kinder. Mit dem Rechner auf unserer Website erhalten Sie eine erste Einschätzung, wie viel Sie in beiden Systemen über Ihr Leben hinweg zahlen würden.

2. Menschen mit Vorerkrankungen

PKV-Anbieter prüfen Vorerkrankungen vor der Aufnahme: mögliche Folgen sind Ablehnung, ein Leistungsausschluss oder ein Risikozuschlag von 5 % bis 30 %

Anders als die GKV verlangen PKV-Anbieter vor der Aufnahme eine Gesundheitsprüfung. Bei bestimmten Erkrankungen kann ein Anbieter den Antrag vollständig ablehnen oder eine konkrete Erkrankung vom Versicherungsschutz ausschließen. Bei anderen Erkrankungen erheben die Anbieter einen Risikozuschlag, je nach Diagnose zwischen 5 % und 30 %. Wenn Sie eine Vorerkrankung haben, lassen Sie über einen Versicherungsmakler eine anonyme Risikovoranfrage stellen. Anhand des Risikozuschlags in Ihrem Angebot können Sie dann entscheiden, ob Sie die möglichen Mehrkosten in der PKV tragen möchten.

3. Längere Elternzeit oder Auszeit vom Beruf

Während einer längeren Auszeit sinken die GKV-Beiträge auf Basis der Mindestbemessungsgrundlage auf rund 278 Euro im Monat (inklusive Pflegeversicherung), während der volle PKV-Beitrag weiter fällig bleibt, sobald der Arbeitgeberanteil wegfällt

Vielleicht träumen Sie schon lange von einer längeren beruflichen Auszeit, um zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Oder Sie möchten eine Zeit lang ganz für Ihre Kinder da sein, statt Beruf und Familie parallel zu stemmen. In beiden Fällen sollten Sie sich fragen, was in dieser Zeit mit Ihrer Krankenversicherung passiert.

Sind Sie als Arbeitnehmer gesetzlich versichert, ist Ihr monatlicher Beitrag ein fester Prozentsatz Ihres Gehalts. Die Hälfte zahlen Sie selbst, die andere Hälfte Ihr Arbeitgeber. Während einer Elternzeit oder beruflichen Auszeit erhalten Sie in der Regel kein Gehalt. Sind Sie pflichtversichert und beziehen außer dem Elterngeld kein weiteres Einkommen, oder würden Sie die Voraussetzungen für eine beitragsfreie Familienversicherung über Ihren Ehepartner erfüllen, zahlen Sie keine GKV-Beiträge und bleiben trotzdem Mitglied der GKV. Andernfalls zahlen Sie auch ohne Einkommen Beiträge auf die Mindestbemessungsgrundlage, die 2026 bei 1.318,33 Euro im Monat liegt. Bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 %, einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 % und einem Beitragssatz zur Pflegeversicherung von 3,6 % (4,2 % für Kinderlose ab 23) zahlen Sie während der Auszeit rund 278 Euro monatlich (286 Euro für Kinderlose ab 23) aus eigener Tasche, sofern sich Ihr Arbeitgeber nicht beteiligt.

In der PKV ändert eine Auszeit dagegen nichts, denn der monatliche Beitrag hängt von Ihrem Tarif ab, nicht von Ihrem Einkommen. Gerade deshalb kann eine Auszeit hier finanziell stärker ins Gewicht fallen. Ein Beispiel: Liegt Ihr PKV-Beitrag bei 800 Euro im Monat, zahlen Sie im Berufsleben rund 400 Euro selbst, die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber. Sobald Sie nicht mehr arbeiten, entfällt der Arbeitgeberanteil und Sie zahlen die vollen 800 Euro selbst. Zum Vergleich: Läge Ihr GKV-Beitrag ebenfalls bei 800 Euro, würde Ihr Eigenanteil während der Auszeit je nach Situation von 400 Euro auf 278 Euro oder sogar auf 0 Euro sinken.

4. Selbstständige mit schwankendem Einkommen

Selbstständige zahlen den vollen Beitrag allein: GKV-Beiträge folgen dem Einkommen nach oben und unten, PKV-Beiträge bleiben an den Tarif gebunden, auch wenn das Einkommen sinkt

Selbstständige haben bei der Krankenversicherung einen klaren Nachteil: Sie zahlen den gesamten Monatsbeitrag selbst, weil es keinen Arbeitgeber gibt, der die Hälfte übernimmt.

Für viele Selbstständige ist ein Wechsel in die PKV aus mehreren Gründen attraktiv. Erstens können sie sich ab dem ersten Tag der Selbstständigkeit privat versichern, unabhängig von der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG). Zweitens zahlen Selbstständige in der GKV Beiträge auf sämtliche Einkünfte, also auf Einkünfte aus selbstständiger Arbeit ebenso wie auf Kapital- oder Mieteinnahmen. In der PKV richtet sich der Beitrag nach dem Tarif und ist damit besser planbar. Drittens kann die PKV für gut verdienende Freiberufler eine spürbare Ersparnis bedeuten. Nehmen wir eine 35-jährige freiberuflich tätige Person mit 8.000 Euro Monatseinkommen: In der GKV läge der Beitrag bei rund 1.226 Euro im Monat. In der PKV wäre für weniger Geld ein guter Tarif möglich.

Trotz dieser Vorteile lohnt es sich zu warten, wenn Ihr Einkommen als selbstständige Person unsicher oder unbeständig ist. Ihre GKV-Beiträge passen sich einem schwankenden Einkommen an, begrenzt durch die Mindestbemessungsgrundlage. Ihre PKV-Beiträge tun das nicht. Sinkt Ihr Einkommen deutlich, kann der monatliche PKV-Beitrag schnell zur zusätzlichen Belastung werden.

5. Später Ersteintritt in die PKV

Je später Sie in die PKV eintreten, desto weniger Zeit bleibt zwischen 22 und 60 für den Aufbau von Alterungsrückstellungen, weshalb ein später Neuzugang mehr zahlt als ein gleichaltriges langjähriges Mitglied

In der PKV kommt es darauf an, wann Sie eintreten. Je älter Sie beim Eintritt sind, desto weniger Zeit bleibt, um Alterungsrückstellungen aufzubauen. Die Alterungsrückstellungen sind ein gesetzlich geregelter Mechanismus: PKV-Anbieter sind verpflichtet, vom 22. bis zum 60. Lebensjahr einen Zuschlag von 10 % zu erheben, um diese Rückstellungen zu bilden. Ab 65 setzt der Anbieter die angesparten Alterungsrückstellungen ein, um die Beiträge im Alter bezahlbar zu halten.

Das bedeutet: Eine Person, die heute mit 50 Jahren in die PKV eintritt, zahlt mehr als eine gleichaltrige Person, die seit über 20 Jahren beim selben Anbieter versichert ist. Der Grund ist, dass dem Neuzugang deutlich weniger Zeit bleibt, um Alterungsrückstellungen aufzubauen, und der Tarifbeitrag deshalb höher ausfällt. Mit dem Rechner auf unserer Website können Sie prüfen, wie sich Ihr Eintrittsalter auf die lebenslange Beitragsprognose in PKV und GKV auswirkt.

6. Menschen mit voraussichtlich geringer Rente

Im Ruhestand sinken die GKV-Beiträge mit der niedrigeren Rente, während der PKV-Eigenanteil springt, weil der Arbeitgeberanteil von 50 % wegfällt und der Beitragszuschuss der Rentenversicherung ihn nicht ersetzt

Sobald Sie in Rente gehen, tritt die Rente an die Stelle Ihres Arbeitseinkommens. Bei den meisten Menschen fällt die Rente niedriger aus als das frühere Gehalt, und die GKV-Beiträge sinken entsprechend mit. Wer die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) erfüllt, zahlt nur Beiträge auf die Rente und nicht auf andere Einkunftsarten wie Kapital- oder Mieteinnahmen.

In der PKV ist das anders. Mit dem Renteneintritt entwickeln sich die Beiträge wie gewohnt weiter. Der Arbeitgeberanteil von 50 % fällt jedoch weg und Ihr Eigenanteil steigt, weil der Beitragszuschuss der Rentenversicherung den früheren Arbeitgeberanteil nicht ausgleicht. Für viele Menschen führt das beim Renteneintritt zu einem deutlichen Sprung bei den eigenen PKV-Ausgaben – nicht weil die Beiträge gestiegen wären, sondern weil der Arbeitgeberanteil weggefallen ist.

Wenn Sie im Ruhestand mit einer eher geringen Rente und wenig Erspartem rechnen, sollten Sie prüfen, ob Sie die voraussichtlich höheren PKV-Ausgaben in dieser Lebensphase tragen können.

Diese sechs Profile sind Beispiele dafür, wann ein Wechsel in die PKV gut überlegt sein will. Wenn Sie gesetzlich versichert sind und beim Gedanken an einen Wechsel zögern, bleiben Sie besser in der GKV, bis Sie eine fundierte Entscheidung treffen können. Denken Sie daran: Der Weg von der GKV in die PKV ist deutlich leichter als der umgekehrte.

Häufig gestellte Fragen

Wer sollte nicht in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln?

Sechs Gruppen sollten besonders vorsichtig sein: Einverdiener-Familien mit einem nicht erwerbstätigen Partner und Kindern, Menschen mit Vorerkrankungen, alle, die eine längere Elternzeit oder berufliche Auszeit planen, Selbstständige mit unsicherem Einkommen, Menschen, die erst spät in die PKV eintreten (etwa ab 50), und alle, die mit einer eher geringen Rente rechnen.

Für diese Gruppen kann die PKV mit der Zeit deutlich teurer oder weniger attraktiv werden. Das heißt nicht, dass die PKV immer die falsche Wahl ist – ein sorgfältiger Vergleich der Kosten über das ganze Leben ist hier aber besonders wichtig.

Lohnt sich die PKV für eine Familie mit nur einem Einkommen?

Oft nicht, vor allem für Familien ohne nennenswerte Ersparnisse. In der GKV können ein nicht erwerbstätiger Ehepartner und die Kinder über die Familienversicherung beitragsfrei mitversichert werden, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. In der PKV gibt es keine vergleichbare beitragsfreie Familienversicherung, Familienangehörige brauchen daher in der Regel einen eigenen, kostenpflichtigen Vertrag.

Bei mehreren Kindern können diese zusätzlichen Beiträge die Ersparnis durch den Wechsel in die PKV übersteigen. Vergleichen Sie die Kosten für Ihre Familie über das ganze Leben mit unserem Rechner, bevor Sie in die PKV wechseln.

Kann ich mich mit einer Vorerkrankung privat versichern?

Oft ja, je nach Erkrankung. PKV-Versicherer prüfen Ihre Krankengeschichte und können Sie ohne Einschränkungen aufnehmen, einen Risikozuschlag von 5 bis 30 % erheben, bestimmte Behandlungen ausschließen oder Ihren Antrag ablehnen.

Lassen Sie vor dem Antrag über einen Makler eine anonyme Risikovoranfrage stellen. Die Versicherer prüfen Ihren Fall dann, ohne Ihre Identität zu kennen. Eine Absage wird Ihnen deshalb nicht zugeordnet und belastet spätere Anträge nicht. Mehr dazu unter Vorerkrankungen und PKV.

Was passiert in der Elternzeit mit meiner Krankenversicherung?

In der PKV laufen Ihre Beiträge während einer unbezahlten Elternzeit weiter, der Zuschuss Ihres Arbeitgebers entfällt jedoch in der Regel. Sie tragen den vollen Beitrag also selbst.

In der GKV zahlen Pflichtversicherte während der Elternzeit in der Regel keine Beiträge, wenn sie außer dem Elterngeld kein weiteres Einkommen haben. Freiwillig Versicherte müssen unter Umständen Beiträge zahlen, bleiben aber beitragsfrei, wenn sie sonst die Voraussetzungen für eine Familienversicherung über einen gesetzlich versicherten Ehepartner erfüllen würden.

Lohnt sich die PKV für Selbstständige?

Die PKV kann attraktiv sein und Geld sparen, wenn Ihr Einkommen hoch und stabil ist – vor allem, wenn Sie keine weiteren Familienangehörigen versichern müssen. In der GKV richten sich die Beiträge nach Ihrem beitragspflichtigen Einkommen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 € im Monat (2026). In der PKV sinken die Beiträge nicht automatisch, wenn Ihr Einkommen zurückgeht.

Ist Ihr Einkommen unsicher, ist die GKV möglicherweise die sicherere Wahl. Vergleichen Sie außerdem die Absicherung beim Krankengeld und die langfristigen Kosten. Mehr dazu in unserem Ratgeber Selbstständig in Deutschland: Was passiert mit Ihrer Krankenversicherung?

Ist es mit 50 zu spät für einen Wechsel in die PKV?

Nicht unbedingt, aber ein später Eintritt ist in der Regel teurer. Je später Sie eintreten, desto weniger Zeit bleibt für den Aufbau von Alterungsrückstellungen, die die höheren Gesundheitskosten im Alter mitfinanzieren. Eine Person, die mit 50 neu in die PKV eintritt, zahlt daher mehr als eine gleichaltrige Person, die 20 Jahre früher eingetreten ist.

Viele PKV-Anbieter verlangen vor der Aufnahme außerdem eine Gesundheitsprüfung. Je älter Sie sind, desto wahrscheinlicher werden dabei Erkrankungen festgestellt, die zu einem Risikozuschlag oder einer Ablehnung führen können.

Bedenken Sie außerdem: Nach 55 ist eine Rückkehr in die GKV in der Regel sehr schwierig. Vergleichen Sie vor dem Wechsel sorgfältig die erwarteten Kosten über das ganze Leben und ob Sie die Beiträge im Ruhestand tragen können.

Sollte ich in der GKV bleiben, wenn ich mir beim Wechsel unsicher bin?

In vielen Fällen ja. Der Wechsel von der GKV in die PKV ist deutlich einfacher als der Weg zurück. Wer in der GKV bleibt, hält sich also alle Optionen offen, bis eine fundierte Entscheidung möglich ist. Vergleichen Sie mit unserem Rechner die Kosten über das ganze Leben, und lassen Sie bei Vorerkrankungen eine anonyme Risikovoranfrage stellen, bevor Sie die GKV verlassen.

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