Ist die private Krankenversicherung (PKV) eine Falle im Alter?
Von Japveer Arora, IHK-geprüfter Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Veröffentlicht am 30. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 18. August 2026
Wenn Sie „PKV vs GKV“ in eine Suchmaschine oder Ihr bevorzugtes KI-Tool eingeben, finden Sie zahlreiche Artikel, Diskussionen und KI-Antworten zu diesem Thema. Einige Aussagen tauchen dabei immer wieder auf: „Die PKV ist günstig, wenn man jung ist, und teuer, wenn man älter wird“ oder „Die PKV ist eine Falle im Alter“. Sehen wir uns öffentlich verfügbare Daten und Studien an, um zu prüfen, ob diese Aussagen zutreffen.
Falls Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen PKV und GKV samt Vor- und Nachteilen nachlesen möchten, finden Sie auf unserer Website einen Überblick zur PKV und zur GKV. Kommen wir direkt dazu, was die Daten sagen. Wir haben zwei Personen betrachtet, Peter und Arnold, und berechnet, wie viel sie von 2005 bis 2025 in der PKV und in der GKV gezahlt hätten. Peter und Arnold sind Modellprofile, die auf einem IGES-Datensatz von rund 93.000 Arbeitnehmern und Selbstständigen beruhen (Links zu den Studien am Ende).
Person 1: Peter war 2005 ein 40-jähriger Arbeitnehmer und hatte zwei Kinder, acht und fünf Jahre alt.
Person 2: Arnold war 2005 ein 60-jähriger Arbeitnehmer und hatte zwei Kinder, beide über 23 Jahre alt und berufstätig.
Wir nehmen an, dass Peter und Arnold Anfang dreißig in die PKV eingetreten sind; die dargestellten Beiträge entsprechen den tatsächlich gezahlten Beiträgen von PKV-Versicherten der Debeka.
Im Zeitraum 2005 bis 2025 hätte Peter mit einem Durchschnittsgehalt 60.932 Euro in der GKV gezahlt. Mit einem Gehalt auf Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) wären es 85.003 Euro gewesen. GKV-Beiträge sind ein Prozentsatz des Gehalts, begrenzt durch die BBG. Wer auf oder über BBG-Niveau verdient, zahlt denselben GKV-Beitrag. In der PKV hätte Peter dagegen 83.951 Euro gezahlt – und das, obwohl er die Krankenversicherung seiner Kinder bis zum 23. Lebensjahr separat tragen musste: bis 18 über einen PKV-Kindertarif und anschließend über den GKV-Studententarif bis 23. Wäre Peter gesetzlich versichert gewesen, wären die Kinder über die GKV-Familienversicherung beitragsfrei mitversichert gewesen.
Die zentrale Erkenntnis ist eindeutig: Als Durchschnittsverdiener hätte Peter in der GKV Geld gespart. Zudem wäre er als Arbeitnehmer mit Durchschnittsgehalt gar nicht PKV-berechtigt. Als Arbeitnehmer müssen Sie über der JAEG (Jahresarbeitsentgeltgrenze) verdienen, um in die PKV wechseln zu können. Als Gutverdiener hätte Peter dagegen in der PKV einen kleinen Betrag gespart. Ohne Kinder wäre die Ersparnis höher ausgefallen.
Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass die GKV-Kurven glatt verlaufen, die PKV-Kurve dagegen sprunghaft. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens müssen PKV-Anbieter gesetzliche Schwellenwerte erreichen, bevor sie die Beiträge anpassen dürfen. Die Anpassungen stauen sich also auf und werden dann auf einmal wirksam, was zu großen Sprüngen führt. Zweitens zahlt Peter die Versicherung seiner Kinder nur bis zum 23. Lebensjahr. Ein Rückgang ist zu sehen, wenn die Kinder mit 19 in den günstigeren Studententarif wechseln. Ein weiterer folgt, wenn sie 23 werden und Peter nicht mehr für sie zahlt.
Bei Arnold sieht es anders aus: Er geht mit 65 in Rente (wer bis 1946 geboren wurde, konnte mit 65 in Rente gehen). Mit dem Renteneintritt entfällt der Arbeitgeberanteil. Mit einem Durchschnittsgehalt hätte Arnold von 2005 bis 2025 34.187 Euro in der GKV gezahlt. Bei einem Gehalt auf BBG-Niveau wären es 50.279 Euro gewesen. In der PKV hätte er 65.213 Euro gezahlt. In diesem Fall muss Arnold die PKV seiner Kinder nicht mittragen, da sie 2005 bereits über 23 Jahre alt und berufstätig waren.
Was die Daten klar zeigen: Arnold hätte in der GKV Geld gespart, sowohl als Durchschnitts- als auch als Gutverdiener (BBG).
Für Peter ist die PKV günstiger, für Arnold teurer
A. Kumulierte Beiträge (2005 – 2025)
| Name | GKV – Durchschnittsgehalt | GKV – Gehalt auf BBG-Niveau | PKV |
|---|---|---|---|
| Peter (41 → 60 Jahre) | 60.932 € | 85.003 € | 83.951 € |
| Arnold (61 → 80 Jahre) | 34.187 € | 50.279 € | 65.213 € |
B. Eigenanteil: durchschnittliche jährliche Veränderung (2005 – 2025)
| Name | GKV – Durchschnittsgehalt | GKV – Gehalt auf BBG-Niveau | PKV |
|---|---|---|---|
| Peter (41 → 60 Jahre) | 3,4 % | 2,9 % | 2,4 % |
| Arnold (61 → 80 Jahre) | -1,0 % | -0,8 % | 6,1 % |
Quelle: Surenest-Analyse auf Basis des IGES-Datensatzes unter den in der Methodik beschriebenen Annahmen
In allen drei Kategorien (GKV – Durchschnittsgehalt, GKV – Gehalt auf BBG-Niveau und PKV) zahlt Arnold weniger für seine Krankenversicherung als Peter. Das liegt daran, dass Peter in diesem Zeitraum voll berufstätig ist. Arnold arbeitet bis 65 und geht dann in Rente, wobei seine Rente niedriger ausfällt als sein Gehalt. Das erklärt die niedrigeren GKV-Beiträge, denn diese sind ein Prozentsatz des Gehalts. Interessanterweise sind auch seine PKV-Beiträge niedriger. Der Grund: Volltarife in der PKV sinken mit Erreichen des 61. Lebensjahres um 9,1 %. Dieser Rückgang tritt bei allen PKV-Anbietern und allen Volltarifen ein (nicht bei Zusatzversicherungen), weil die Anbieter allen Versicherten vom 21. bis zum 60. Lebensjahr einen gesetzlichen Beitragszuschlag (GBZ) von 10 % berechnen, um Rückstellungen für das Alter zu bilden. Diese Rückstellungen werden dann eingesetzt, um die Beiträge ab 65 zu senken, wenn die Gesundheitskosten steigen. Arnolds Altersrückstellungen hätten dazu beigetragen, seine PKV-Beiträge zwischen 65 und 80 niedriger zu halten.
Ist die PKV für einen der beiden günstiger? In der PKV hätte Peter geringere jährliche Beitragssteigerungen gehabt und als Gutverdiener einen kleinen Betrag gespart. Arnold dagegen hat in der PKV rund 15.000 Euro mehr gezahlt, ebenfalls unter der Annahme eines hohen Einkommens. Er hätte in der PKV eine Beitragssteigerung von 6,1 % erlebt, gegenüber einem Rückgang von 0,8 % in der GKV.
Könnte Peter die Ersparnisse aus jüngeren Jahren nutzen, um die höheren Kosten im Alter zu decken? Als Gutverdiener hätte Peter in der PKV von 2005 bis 2025 1.052 Euro gespart. Hätte er seine monatlichen Ersparnisse in eine einfache Anlage mit 3,5 % Rendite pro Jahr investiert, wären daraus 1.550 Euro geworden. Nach dem Rechner auf unserer Website erwarten wir, dass Peter als Gutverdiener zwischen 61 und 80 Jahren (2026 – 2045) rund 19.000 Euro mehr in der PKV zahlt als in der GKV. Sicherheitshalber sollte er zusätzlich einen Puffer von 30 % einplanen. Seine kleine Ersparnis von 1.052 Euro aus jüngeren Jahren reicht also nicht aus, um die möglicherweise höheren PKV-Kosten im Alter zu decken. Hätte Peter keine Kinder gehabt oder wären die Kinder über den Partner beitragsfrei in der GKV-Familienversicherung mitversichert gewesen, wäre seine Ersparnis in jungen Jahren deutlich höher ausgefallen und hätte womöglich gereicht, um die höheren Kosten im Alter aufzufangen.
Treffen die eingangs genannten Aussagen zu?
- Aussage 1: Die PKV ist günstig, wenn man jung ist, und teuer, wenn man älter wird
Tatsächlich erreichen durchschnittliche PKV-Tarife ihren Höchststand mit 60 Jahren und sinken dann mit 61 um 9,1 %. Wie bereits erwähnt, tritt dieser Rückgang bei allen PKV-Anbietern und allen Volltarifen ein (nicht bei Zusatzversicherungen), weil der gesetzliche Beitragszuschlag (GBZ) von 10 %, der die Altersrückstellungen aufbaut, entfällt. Die PKV mag für eine Person Mitte fünfzig teurer sein als für eine Person Mitte zwanzig. Pauschal lässt sich aber nicht sagen, die PKV sei jung günstig und im Alter teuer – denn die PKV kann für eine 70-jährige Person günstiger sein als für eine 50-jährige.
Für zwei Gruppen kann die PKV sinnvoll sein: für Expats und für Gutverdiener, insbesondere für Gutverdiener ohne Kinder. Expats profitieren von den niedrigeren PKV-Kosten in jungen Jahren, ohne sich um die höheren Kosten im Alter sorgen zu müssen, falls sie planen, in ihrem Heimatland in Rente zu gehen. Gutverdiener können in jungen Jahren bei den Krankenversicherungskosten sparen und diese Ersparnisse später einsetzen, um höhere Kosten im Alter auszugleichen. Für Gutverdiener ohne Kinder kommt hinzu, dass keine Beiträge für die PKV der Kinder anfallen. Damit sich diese Ersparnis tatsächlich einstellt, kommt es allerdings darauf an, unter den Tausenden verfügbaren PKV-Tarifen den richtigen zu wählen. Ein Basistarif bedeutet zwar niedrige Kosten, gerade am Anfang, aber auch geringe Leistungen – was in späteren Jahren zu erheblichen Eigenanteilen führen kann. Wichtig ist deshalb, einen Tarif zu finden, der Sie angemessen absichert.
- Aussage 2: Die PKV ist eine Falle im Alter
Als Arnold in Rente ging, sanken seine GKV-Beiträge und passten sich seiner Rente an. Seine PKV-Beiträge stiegen weiter wie gewohnt, aber sein Eigenanteil sprang nach oben, weil der Arbeitgeberanteil durch einen kleineren Beitragszuschuss der Rentenversicherung ersetzt wurde. Die vielzitierte Falle liegt in dieser Asymmetrie, nicht in einer Beitragsexplosion. Als Falle empfinden viele Menschen zudem, dass ein Rückwechsel in die GKV nach dem 55. Lebensjahr nicht mehr möglich ist. Eine Entscheidung, die mit 35 getroffen wurde, lässt sich mit 65 also nicht mehr rückgängig machen. Ein Wechsel in einen günstigeren Tarif innerhalb der PKV ist dagegen jederzeit möglich.
Es gibt allerdings Fälle, in denen die PKV im Alter tatsächlich zur Falle werden kann. Stellen Sie sich vor, Peter und Arnold wären jeweils mit einer Person verheiratet, die nicht erwerbstätig ist. Wären beide privat versichert, bräuchten auch ihre Partner einen eigenen PKV-Vertrag. Die PKV-Kosten würden sich für beide ungefähr verdoppeln, verglichen mit unserer Rechnung oben. Die GKV-Kosten blieben dagegen gleich, da nicht erwerbstätige Partner über die GKV beitragsfrei familienversichert sind. Außerdem haben wir für unsere Analyse einen durchschnittlichen PKV-Tarif angesetzt. In einem Premiumtarif fielen die Kosten über das Leben hinweg noch höher aus. Ein Haushalt, in dem ein Elternteil arbeitet und der andere zu Hause bleibt, ist eines von sechs Profilen, für die ein Wechsel in die PKV gut überlegt sein will – neben Menschen mit Vorerkrankungen, Personen mit einer längeren beruflichen Auszeit und allen, die mit einer eher geringen Rente rechnen.
Fazit
Anhand der beiden Beispielszenarien haben wir die in den Medien häufig genannten Aussagen überprüft und uns angesehen, was die Daten dazu sagen. Wir haben außerdem gezeigt, in welchen Fällen diese Aussagen zutreffen können.
Wie dieser Artikel bereits zeigt, spielen viele Faktoren eine Rolle, wenn es darum geht, wie viel Sie in der PKV oder GKV für Ihre Krankenversicherung zahlen.
- Einkommen: Je höher das Einkommen, desto höher der GKV-Beitrag (bis zur BBG). PKV-Beiträge hängen von Tarif, Alter und Vorerkrankungen ab. Das Einkommen spielt dabei keine Rolle.
- Alter: Das Alter ist ein wichtiger Faktor für die Höhe Ihres PKV-Beitrags.
- Beschäftigungsart: Als Arbeitnehmer übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte Ihres Beitrags. Als selbstständige Person zahlen Sie den gesamten Beitrag selbst.
- Vorerkrankungen: In der PKV zahlen Sie bei Vorerkrankungen einen Risikozuschlag oder werden möglicherweise abgelehnt. In der GKV gibt es diese Einschränkung nicht.
- Familienstand (verheiratet / alleinstehend / mit Kindern): Ein nicht erwerbstätiger Partner und Kinder (maximal bis 25) sind in der GKV-Familienversicherung beitragsfrei mitversichert, wenn beide Elternteile oder der besserverdienende Elternteil gesetzlich versichert sind. Bei geschiedenen Eltern muss mindestens ein Elternteil gesetzlich versichert sein, damit die Kinder beitragsfrei familienversichert sein können.
- Tarife: In der GKV sind Beiträge und Leistungen gesetzlich festgelegt. GKV-Tarife unterscheiden sich daher kaum zwischen den Anbietern. In der PKV gibt es dagegen Tausende Tarife, deren Leistungen von Basis bis Premium reichen.
Ob Sie in der PKV oder der GKV besser aufgehoben sind, hängt von Ihren persönlichen Umständen ab.
Methodik und Quellen
Für die Analyse haben wir Daten aus den folgenden Quellen verwendet: IGES-Studie 2017, IGES-Studie 2020, IGES-Studie 2023 (der einzige Langzeitdatensatz zu PKV-Beiträgen auf dem deutschen Markt), Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV 2024, Destatis-Datenbank, Statistikportal der Rentenversicherung – Rentenbestand.
Für 2024 haben wir den in der IGES-Studie prognostizierten Kohortendurchschnitt von +10,5 % für die PKV-Beitragssteigerung verwendet. Für 2025 haben wir die in der Presse genannten Werte von 18 bis 20 % auf einen Kohortendurchschnitt von 15 % skaliert. Wir haben ausschließlich die Krankenversicherungsbeiträge berechnet und die Beiträge zur Pflegeversicherung außer Acht gelassen. Die Grafiken zeigen die Arbeitnehmeranteile nach Abzug des Arbeitgeberanteils. Für Arnold nehmen wir im Szenario mit hohem Einkommen bei Renteneintritt insgesamt 65 Entgeltpunkte an.
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